Feuchttücher — Probleme und Alternativen

Der Konsum von Feuchttüchern hat in den letzten Jahrzehnten weltweit deutlich zugenommen. Auf den ersten Blick ist auch klar warum die Feuchttücher so beliebt sind. Sie sind weich, reißfest und riechen meist gut. Gerade bei strapazierter Haut im Analbereich fühlt sich die Reinigung mit einem Feuchttuch oft sanfter und angenehmer an als mit trockenem Toilettenpapier.

Menschen, die etwa unter schwerer Verstopfung, welche ihren Stuhlgang durch starkes Pressen erzwingen, oder gar an Kotstau (Koprostase) leiden, greifen gerne zu Feuchttüchern, um den angespannten Analbereich zu schonen. Am häufigsten werden Feuchttücher aber natürlich bei Babys und Kleinkindern eingesetzt. Die Feuchtigkeit ist ja auch praktisch bei der Reinigung, wenn vielleicht mal gerade keine Toilette in der Nähe ist.

Woraus sind Feuchttücher gemacht?

Die Feuchttücher sind üblicherweise aus einem reißfesten Vlies, welches in Lotion und anderen Inhaltsstoffen getränkt wird. Gerade bei diesen „anderen Inhaltsstoffen“ sollte man genau hinsehen. Wer schon mal feuchtes Material in Plastik eingewickelt hat, der weiß, dass ein solches Milieu eine Brutstätte für Bakterien und Schimmel darstellt. Damit das bei den Feuchttüchern nicht passiert, müssen die Hersteller schon nachhelfen.

In den Feuchttüchern werden unter anderem Benzylalkohol als Konservierungsmittel und Duftstoffe eingesetzt. Andere Feuchttücher enthalten wiederum PEG beziehungsweise PEG-Derivate (Polyethylenglykol) oder Disodium EDTA. Nicht zu vergessen sind die Plastikfasern, welche in einigen Feuchttüchern für die verbesserte Reißfestigkeit verarbeitet ist.

In Summe gibt es bei den Feuchttüchern deutliche Qualitätsunterschiede. Dabei hängt es nicht immer am Preis oder an großen Markennamen wie eine Studie der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt (1).

Hautverträglichkeit

Die oben genannten Inhaltsstoffe wie Alkohole, Konservierungsmittel, Duftstoffe oder umstrittene Tenside werden für die empfindliche Haut nicht empfohlen werden (2). Der Benzylalkohol steht im Verdacht Allergien auszulösen (1) Überdies kann der Alkohol dazu führen, dass die Haut erst recht austrocknet. Gerade im Kontakt mit empfindlichen Schleimhäuten sollte man hier Vorsicht walten lassen.

Hier sollte man sich als Elternteil ruhig auch mal die Zeit nehmen und nachlesen welche Tücher denn wirklich hautverträglich sind. Leider braucht man da manchmal schon fast ein Chemiestudium, um zu verstehen was da so genau drin ist.

Verstopfung in der Toilette und in der Kanalisation

Oft werden die Feuchttücher in der Toilette runtergespült, was mit einer Verstopfung — anders als wir sie sonst hier thematisieren — der Toilette oder der Kanalisation enden kann. Selbst Tücher, welche als „spülbar“ deklariert werden, können in großen Mengen in der Kanalisation oder in Kläranlagen zu Problemen führen. „Im Gegensatz zu normalem Toilettenpapier lösen sich nicht alle Feuchttücher auf. Sie können in unserer Kanalisation Leitungen und Pumpen verstopfen. Die Behebung dieser Schäden kostet den SteuerzahlerInnen viel Geld.“ (2)

Daher wird vom Spülen abgeraten und die Entsorgung im Restmüll empfohlen. „Denn: Selbst wenn sich einige Produkte in Wasser gut auflösen, ist das in der Praxis oft noch zu langsam für den Weg durch die gesamte Kanalisation“ (4) oder wie es ein Informationsportal über den Lebensraum Wasser ausdrückt: „Reißfest in der Handhabung beutetet auch reißfest in den Pumpen“ (5).

Umweltverträglichkeit

Wie hoffentlich bereits klar geworden ist, können Feuchttücher eine Menge an bedenklichen Inhaltsstoffen enthalten. Die Effekte der Chemikalien und Zusatzstoffe sind schwer abzuschätzen. Die Feuchttücher sind eine unterschätzte Plastikquelle (3) und oft schlecht abbaubar.

Alternativen zu Feuchttüchern

Glücklicherweise gibt es auch einige Alternativen zu Feuchttüchern, welche in verschiedenen Situationen dabei helfen können den Konsum von Feuchttüchern einzuschränken.

Feuchter Waschlappen mit ein paar Tropen Olivenöl

Ja, so hat man das vor der Erfindung von Feuchttüchern gemacht

Popodusche

Die Popodusche wird vor allem in Asien traditionell an Stelle von Toilettenpapier verwendet. Dort hängt der Schlauch dann traditionell neben der Toilette und wird dann zur Reinigung in die Hand genommen. In der westlichen Welt gibt es mit dem Bidet schon seit längerem ein ähnliches Konzept. Seit einigen Jahren gibt es auch immer mehr Anbieter, welche Toiletten mit integrierter Popodusche anbieten.

Was wir überdies von den Asiaten lernen können, ist die natürliche Sitzposition auf der Toilette, welche man bei uns mit Toilettenhocker imitieren kann.

Popo Schaum

Popo Schaum ist ein eher neues Produkt mit dem man normales Toilettenpapier mit einem dezent duftenden Reinigungsschaum befeuchten kann. Der große Vorteil im Vergleich zu den Feuchttüchern ist, dass hier normales Papier verwendet werden kann und keine reißfesten Materialen Toilette oder Kanalisation verstopfen können. Obendrein werden im Popo Schaum keine Konservierungsmittel benötigt.

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